Full-Funnel Growth: Warum Brand und Performance kein Widerspruch sind.

Das Problem mit den meisten Full-Funnel-Strategien

Die Wahrheit ist: Die meisten Unternehmen reden von Full-Funnel, meinen aber eigentlich „ein bisschen Brand UND ein bisschen Performance und hoffen, dass es past”. Das Ergebnis sind Kampagnen, die nirgendwo richtig wirken. Zu wenig Durchschlagskraft für echten Markenaufbau. Zu diffus für messbaren Sales-Impact.
Wir sehen das täglich: Briefings, in denen „Reichweite und Abverkauf” gleichzeitig gefordert werden, aber ohne klare Priorität. Channel-Setups, bei denen jeder Kanal „alles können soll” KPI-Dashboards, die Äpfel mit Birnen vergleichen. Und am Ende die Frage: „Warum funktioniert das nicht?”
Die Antwort ist einfach: Weil Full-Funnel kein Marketing-Buzzword ist, sondern eine Architekturentscheidung. Und die muss man treffen, bevor das erste Budget fließt.
Das Kernproblem liegt oft in der Organisationsstruktur: Brand-Teams arbeiten mit Awareness-Metriken. Performance-Teams mit CPA und ROAS. Die Budgets sind getrennt. Die Reporting-Logiken inkompatibel. Und niemand kann beantworten, wie eine Kampagne mit 10 Millionen Reichweite eigentlich auf den Conversion-Rate drei Wochen später wirkt.

 

Was Full-Funnel wirklich bedeutet (und was nicht)

Full-Funnel bedeutet nicht, dass jede Kampagne gleichzeitig Marke baut und Umsatz generiert. Das ist Wunschdenken. Full-Funnel bedeutet: Die Ziele, Kanäle, Motive und KPIs in ein System zu bringen, das über alle Funnel-Phasen hinweg steuerbar ist.
Bei Media Plan unterscheiden wir vier typische Zielszenarien, die in der Praxis meist kombiniert werden:

Reichweitensteigerung für Markteintritt oder Neupositionierung.
Wenn Sichtbarkeit der limitierende Faktor ist – etwa bei Markteintritten, Relaunches oder wenn ein Unternehmen aus der Category-Unsichtbarkeit raus muss. Hier geht es um Marktdruck, Zielgruppenaffinität und Wiedererkennung.

Sales Push für E-Commerce, Handel oder Omnichannel.
Wenn der Funnel grundsätzlich funktioniert, aber mehr Volume durchgeschoben werden soll. Klassisch bei Seasonal Business, Produktlaunches oder wenn Handelspartner befeuert werden müssen.

Revenue Growth mit performanceorientiertem Channel-Setup.
Wenn nicht nur Volumen, sondern profitable Skalierung das Ziel ist. Das erfordert Modeling, granulare Attribution und die Flexibilität, Budgets innerhalb von Tagen umzuschichten.

CSR Visibility als Verbindung von Media und Nachhaltigkeitszielen.
Immer relevanter bei Unternehmen, die gesellschaftliche Verantwortung nicht nur im Report, sondern in der Markenkommunikation verankern wollen.

Das Entscheidende: Diese Ziele konkurrieren nicht, sie brauchen aber unterschiedliche Architekturen. Ein Full-Funnel-System muss in der Lage sein, zwischen diesen Modi zu wechseln oder sie parallel zu orchestrieren.

 

Der Unterschied zwischen Multi-Channel und Full-Funnel

Viele verwechseln Multi-Channel-Marketing mit Full-Funnel. Der Unterschied:

Multi-Channel bedeutet: Wir sind auf vielen Kanälen präsent. Instagram, Google Ads, OOH, Audio, vielleicht noch TV. Aber jeder Kanal macht sein Ding. Die KPIs sind nicht verbunden. Die Motive sind nicht aufeinander abgestimmt. Es gibt keine Steuerungslogik zwischen den Kanälen.

Full-Funnel bedeutet: Die Kanäle sind funktional zugeordnet. Upper-Funnel-Kanäle (TV, OOH, YouTube) treiben Awareness und Mental Availability. Mid-Funnel-Kanäle (Social, Content, Influencer) bauen Consideration und Präferenz. Lower-Funnel-Kanäle (Search, Shopping, Retargeting) konvertieren Intent in Transaktion. Und das Wichtigste: Es gibt eine Messlogik, die zeigt, wie die Kanäle aufeinander einzahlen.

 

Die Full-Funnel-Architektur: Drei Ebenen, ein System

Ein funktionierendes Full-Funnel-System besteht aus drei Ebenen, die synchronisiert sein müssen:

Ebene 1: Strategische Steuerung (Wer kauft wann warum?)

Bevor auch nur ein einziger Mediaplan steht, braucht es Klarheit über die Marktdynamik:

Zielgruppensegmentierung nach Kaufreife. Nicht demografisch, sondern nach Verhalten und Kaufwahrscheinlichkeit. Wer ist im Markt? Wer ist latent interessiert? Wer hat das Problem noch nicht erkannt? Diese Segmente brauchen komplett unterschiedliche Botschaften und Kanäle.
Category-Entry-Points (CEPs) definieren. Wann und in welchem Kontext denkt die Zielgruppe über die Kategorie nach? Beispiel Versicherungen: Umzug, Hochzeit, Geburt, Jobwechsel. Diese Momente sind die Türen in den Kaufprozess. Full-Funnel bedeutet: An diesen Türen präsent sein mit der richtigen Botschaft.
Marktanteile und Share of Voice im Verhältnis. Wenn der Marktanteil bei 8 % liegt, der Share of Voice aber bei 3 %, ist das ein strukturelles Problem. Dann baut man nicht Marke, sondern subventioniert die Konkurrenz. Die Formel ist einfach: Share of Voice sollte mindestens dem angestrebten Marktanteil entsprechen.
Kaufzyklen und Buying Windows verstehen. Eine B2B-Software mit 9-monatigem Sales Cycle braucht eine völlig andere Funnel-Logik als ein DTC-Fashion-Brand. Die meisten Full-Funnel-Konzepte scheitern, weil sie die zeitliche Dimension ignorieren.

 

Ebene 2: Operative Orchestrierung (Wer macht was wann?)

Die strategische Ebene definiert, was erreicht werden soll. Die operative Ebene definiert, wie die Kanäle zusammenspielen.

Upper Funnel: Reach, Frequency, Salience. Ziel ist nicht ,,so viele Menschen wie möglich” sondern: Die richtige Zielgruppe mit ausreichender Frequenz erreichen, um Mental Availability zu schaffen. Das bedeutet: Mindestens 3–5 Kontakte in einem definierten Zeitraum. Alles darunter ist Budgetverschwendung.
Kanäle: TV (wenn Budget und Zielgruppe passen), Digital Video (YouTube, Streaming), OOH (für lokale oder hochfrequente Zielgruppen), Audio (Podcast, Spotify für spezifische Affinitäten). Das Creative muss wiederkennbar, einfach und auf Markenassets optimiert sein, nicht auf Storytelling.

Mid Funnel: Consideration, Preference, Trust. Hier geht es um die Brücke zwischen „kenne ich” und „würde ich kaufen”. Das ist der meistunterschätzte Teil des Funnels, weil er nicht direkt konvertiert, aber entscheidend ist für Conversion Rate und Customer Lifetime Value.
Kanäle: Social Media (organisch + bezahlt), Content Marketing, Influencer Collaborations, Native Advertising. Das Creative muss Proof-Points liefern: Reviews, Testimonials, Product-Benefits, Vergleiche. Hier wird Präferenz aufgebaut.

Lower Funnel: Conversion, Retargeting, Retention. Hier wird Intent in Transaktion übersetzt. Das funktioniert nur, wenn die Stufen davor sauber bespielt wurden. Wer nur Lower Funnel macht, kämpft um einen schrumpfenden Pool von High-Intent-Usern.
Kanäle: Google Search, Shopping Ads, Meta Conversion Campaigns, Retargeting (Display, Social), E-Mail-Marketing. Das Creative muss klar, angebotsorientiert und friktionsarm sein. Jede Sekunde Unsicherheit kostet Conversion.

 

Ebene 3: Measurement & Optimization (Was wirkt wie?)

Das größte Problem bei Full-Funnel: Die Messbarkeit. Wer nur Last-Click-Attribution nutzt, wird immer zu wenig in Upper Funnel investieren. Wer nur Brand Lift Studies macht, sieht nicht, ob die Awareness auch zu Umsatz führt.
Multi-Touch-Attribution (MTA) als Basis. Nicht perfekt, aber besser als Single-Touch. Entscheidend ist: Die Gewichtung der Touchpoints muss zur Zielsetzung passen. Wer Marktanteil aufbauen will, muss First-Touch höher gewichten. Wer Performance optimiert, kann Last-Touch stärker fokussieren.
Marketing Mix Modeling (MMM) für makroökonomische Zusammenhänge. MMM zeigt, wie Kanäle über Zeit wirken, wie Saisonalität Performance beeinflusst und wo Sättigungseffekte eintreten. Das ist kein Ersatz für MTA, sondern die Ergänzung.
Inkrementalitäts-Tests für kausale Evidenz. Geo-Tests, Holdout-Tests, PSA-Methoden: Nur durch kontrollierte Experimente lässt sich wirklich zeigen, ob ein Kanal inkrementellen Umsatz generiert oder nur bestehendes Interesse abgreift.
Custom Dashboards mit Funnel-Logik. Separate Dashboards für Upper/Mid/Lower Funnel sind Unsinn. Es braucht ein Dashboard, das zeigt, wie sich Bewegungen in Awareness auf Consideration und Conversion auswirken. Mit Lag-Effekten, Seasonality-Adjustments und klaren Benchmarks.

 

Vier Full-Funnel-Modelle für unterschiedliche Business-Situationen

In der Praxis gibt es nicht ,,das eine” Full-Funnel-System, sondern unterschiedliche Setups – abhängig von Marktposition, Produktkomplexität und Kaufzyklus.

Modell 1: Market Leader Defense (Marktführer, etablierte Kategorie)

Situation: Starke Marke, hohe Awareness, gute Distribution. Ziel ist Marktanteile verteidigen und marginal ausbauen.
Funnel-Gewichtung: 40 % Upper Funnel, 30 % Mid Funnel, 30 % Lower Funnel.
Steuerungslogik: Share of Voice konstant halten oder leicht über Marktanteil. Upper Funnel läuft kontinuierlich, um Mental Availability zu sichern. Mid und Lower Funnel werden pulsierend verstärkt, bei Saisonspitzen, Wettbewerberaktionen und Produktlaunches.
Typische Kanäle: TV/Streaming als Basislast, Social und Display für Retargeting, Search hocheffizient wegen Markenbekanntheit.
Kritischer Erfolgsfaktor: Brand Tracking als Frühwarnsystem. Wenn Consideration sinkt, obwohl Awareness stabil ist, stimmt das Messaging nicht mehr.

 

Modell 2: Challenger Brand Growth (Herausforderer, wachsende Kategorie)

Situation: Mittlere Bekanntheit, starkes Produkt, limitierte Ressourcen vs. etablierte Wettbewerber.
Funnel-Gewichtung: 50 % Upper Funnel, 25 % Mid Funnel, 25 % Lower Funnel.
Steuerungslogik: Aggressiv Share of Voice aufbauen und idealerweise 1,5x bis 2x des aktuellen Marktanteils. Fokus auf spitze Zielgruppen und geografische/demografische Penetration. Upper Funnel für Durchbruch, Lower Funnel hocheffizient halten.
Typische Kanäle: Digital-first (YouTube, Social, Programmatic), OOH für gezielte Märkte, Search für Brand Defense + Category Terms. TV nur bei ausreichend Budget für Wirkung.
Kritischer Erfolgsfaktor: Kreative Differenzierung. Challenger können sich keinen Generic-Content leisten. Die Kampagne muss stören, provozieren oder radikal anders sein.

 

Modell 3: DTC Scale-Up (E-Commerce pure play, Growth Stage)

Situation: Digitales Geschäftsmodell, messbarer Funnel, Skalierungsdruck.
Funnel-Gewichtung: 30 % Upper Funnel, 20 % Mid Funnel, 50 % Lower Funnel.
Steuerungslogik: Performance-getrieben, aber mit strategischem Upper-Funnel-Investment gegen CAC-Inflation. Kontinuierliches Testing von Audiences, Creatives, Channels. Lower Funnel wird optimiert auf LTV:CAC-Ratio, nicht auf First-Purchase-ROAS.
Typische Kanäle: Meta und Google als Core, TikTok für Audience Expansion, Influencer für Social Proof, Incrementelles TV/YouTube-Testing für Upper Funnel.
Kritischer Erfolgsfaktor: Cohort-basierte Messung. Nicht  ,,hat diese Kampagne funktioniert?” sondern ,,wie verhält sich der Cohort aus dieser Kampagne über 6/12/24 Monate?”

 

Modell 4: B2B Enterprise (Long Sales Cycle, Account-Based)

Situation: Wenige, hochwertige Kunden. Kaufentscheidungen mit 6–18 Monaten Vorlauf. Viele Stakeholder.
Funnel-Gewichtung: 35 % Upper Funnel, 45 % Mid Funnel, 20 % Lower Funnel.
Steuerungslogik: Account-Based Marketing (ABM) kombiniert mit Thought Leadership. Upper Funnel für Category Creation und Executive Awareness. Mid Funnel über Content, Events, Sales Enablement extrem ausgeprägt. Lower Funnel ist Sales-getrieben, Marketing supportet.
Typische Kanäle: LinkedIn, Fachmedien, Executive Podcasts, Whitepapers, Webinare, Events. Retargeting auf Buying Committee (nicht nur Leads).
Kritischer Erfolgsfaktor: Pipeline-Integration. Marketing-KPIs müssen auf Sales-Outcomes gemappt sein: Opportunity Creation, Deal Velocity, Win Rate.

 

Die größten Full-Funnel-Fehler (und wie man sie vermeidet)

Fehler 1: Alles gleichzeitig wollen
„Wir brauchen Brand Awareness UND Leads UND Direct Sales” Klar. Aber nicht aus demselben Budget mit denselben Kanälen zur selben Zeit.
Die Lösung: Priorisierung mit klarem Zeithorizont. Q1: Brand-Push für Launch. Q2–Q3: Consideration-Building mit Content. Q4: Sales-Peak mit Performance-Focus. Oder geografisch staffeln: In Markt A Brand aufbauen, während in Markt B bereits Lower Funnel skaliert wird.

Fehler 2: Attribution-Chaos als Entscheidungsgrundlage
Google Analytics sagt: Paid Social funktioniert nicht. Der Meta Ads Manager sagt: ROAS 4,5. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen, aber niemand weiß wo.
Die Lösung: Eine zentrale Attribution-Logik definieren und konsequent nutzen. Idealerweise MTA mit angepassten Gewichtungen. Und: Inkrementalitäts-Tests als Realitätscheck. Mindestens quartalsweise einen Channel komplett pausieren und Impact messen.

Fehler 3: Creative als Afterthought
Die Mediastrategie steht, die Kanäle sind definiert, das Budget ist verteilt. Und dann: „Können wir noch schnell ein paar Motive haben?” Das Creative entscheidet über 60–70 % der Kampagnen-Performance. Nicht der Channel.
Die Lösung: Creative Strategie parallel zur Mediastrategie entwickeln. Für jeden Funnel-Layer unterschiedliche Creative-Formate und Botschaften. Und: Systematisches Creative Testing mit Statistical Significance.#

Fehler 4: Keine Lernschleifen
Die Kampagne läuft. Das Reporting kommt Ende Monat. Dann wird analysiert. Und beim nächsten Mal macht man es… meistens ähnlich. Weil die Learnings nicht strukturiert dokumentiert wurden.
Die Lösung: Wöchentliche Performance Reviews. Monatliche Deep Dives mit Hypothesen. Quartalsweise Strategie-Updates. Und vor allem: Ein Living Document mit ,,What worked, what did not, why we think so

Fehler 5: Silos in Teams und Tools
Das Brand-Team arbeitet mit der Kreativagentur. Das Performance-Team mit drei verschiedenen Paid-Media-Spezialisten. Die Daten liegen in sechs Tools. Niemand sieht das große Bild.
Die Lösung: Integrierte Teams mit gemischten KPIs. Brand-Manager sollten Performance-Metriken verstehen. Performance-Manager sollten Markeneffekte messen können. Und ein zentrales Dashboard, das beide Welten verbindet.

 

Full-Funnel in der Praxis: Von Strategie zu Execution

Phase 1: Situationsanalyse und Funnel-Audit (Woche 1–2)
Bevor irgendeine Kampagne geplant wird, braucht es ein klares Bild des Status Quo:

Current State Assessment:

  • Wo stehen wir bei Awareness, Consideration, Preference? (Brand Tracking Data)
  • Wie ist unser aktueller Media-Mix nach Funnel-Stufen verteilt?
  • Welche Kanäle performen wie? (Mit echter Attribution, nicht Last-Click)
  • Wo sind die Brüche im Funnel? (Hohe Awareness, aber niedrige Consideration = Messaging-Problem)

Competitive Benchmarking:

  • Share of Voice vs. Marktanteil
  • Competitor-Media-Mix und Timing
  • Creative-Positionierung und Differenzierung

Funnel-Health-Metrics:

  • Awareness → Consideration Conversion Rate
  • Consideration → Purchase Intent Conversion Rate
  • Intent → Purchase Conversion Rate
  • Durchschnittliche Time-to-Purchase nach erstem Brand Contact

 

Phase 2: Architektur-Design (Woche 3–4)
Mit den Daten aus Phase 1 wird das Full-Funnel-System designed:
Zielhierarchie definieren:

  • North Star Metric (z.B. Marktanteil, Revenue, Profitable Growth)
  • Funnel-KPIs pro Stufe (Aided Awareness, Consideration Rate, Conversion Rate)
  • Channel-KPIs mit klarem Funnel-Mapping

Budget-Allokation nach Funnel-Stufen: Nicht nach Bauchgefühl, sondern basierend auf:

  • Wo ist der größte Hebel? (Funnel-Bruchanalyse)
  • Was sagen MMM-Simulationen über optimale Verteilung?
  • Was ist realistisch mit verfügbarem Budget erreichbar?

Channel-Strategie mit Funnel-Rollen:

  • Upper Funnel Channels: Primäre Rolle, Budget-Range, KPIs
  • Mid Funnel Channels: Primäre Rolle, Budget-Range, KPIs
  • Lower Funnel Channels: Primäre Rolle, Budget-Range, KPIs
  • Cross-Funnel Channels: Wie wird z.B. Social über alle Stufen genutzt?

Timing und Phasing:

  • Always-on vs. Pulsing Strategy
  • Saisonale Anpassungen
  • Competitive Response Scenarios

 

Phase 3: Execution Setup (Woche 5–6)
Die Strategie ist definiert. Jetzt geht es um die operative Umsetzung:
Creative-Entwicklung nach Funnel-Logik:

  • Upper Funnel: Brand Assets, Wiederkennung, Emotional Hooks
  • Mid Funnel: Product Benefits, Social Proof, Differentiation
  • Lower Funnel: Offer, CTA, Frictionless Path to Purchase

Tracking-Implementation:

  • Einheitliches Tagging über alle Kanäle
  • Event-Tracking für Micro-Conversions
  • Cross-Device-Tracking Setup
  • CRM-Integration für Closed-Loop-Reporting

Dashboard-Build:

  • Executive Dashboard (High-Level Funnel Flow)
  • Operational Dashboard (Channel Performance, täglich aktualisiert)
  • Deep-Dive Dashboards (Creative Performance, Audience Insights, Attribution)

 

Phase 4: Launch und Optimization (ab Woche 7)
Woche 1–2 nach Launch: Validation

  • Laufen Kampagnen wie geplant?
  • Pacing korrekt?
  • Erste Performance-Signale vs. Benchmarks
  • Quick Fixes wo nötig

Woche 3–4: First Optimization Cycle

  • Was zeigen erste Daten über Channel-Performance?
  • Welche Creatives performen über-/unterdurchschnittlich?
  • Wo kann Budget verschoben werden?
  • Erste Hypothesen für Tests

Ab Woche 5: Continuous Improvement

  • Wöchentliche Performance Reviews
  • Bi-weekly Optimization Sprints
  • Monatliche Strategie-Check-ins
  • Quartalsweise Full-Funnel-Audits

 

Measurement: Das Full-Funnel-Reporting-Framework

Ein Full-Funnel-System steht und fällt mit der richtigen Messlogik. Hier das Framework, das wir bei komplexen Multi-Channel-Setups nutzen:

Layer 1: Business Outcomes
Primary Metrics:

  • Revenue / Profitable Revenue
  • Marktanteil (wenn messbar)
  • Customer Lifetime Value
  • New Customer Acquisition vs. Retention Split

Reporting-Frequenz: Monatlich, mit Weekly Pulse Checks

 

Layer 2: Funnel Health
Upper Funnel:

  • Aided/Unaided Brand Awareness (Brand Tracking, monatlich)
  • Brand Consideration Rate
  • Share of Voice vs. Share of Market
  • Reach und Frequency in Core Target Group

Mid Funnel:

  • Brand Preference Scores
  • Site Traffic (New vs. Returning)
  • Engagement Metrics (Content Consumption, Time on Site, Pages per Session)
  • Email List Growth / Social Following Growth

Lower Funnel:

  • Conversion Rate (by Channel, by Device, by Audience)
  • Cart Abandonment Rate
  • Average Order Value
  • Return Customer Rate

Reporting-Frequenz: Weekly für digitale Metriken, monatlich für Brand Tracking

 

Layer 3: Channel Performance
Für jeden Channel:

  • Impressions / Reach
  • Cost per Reach/Impression
  • Engagement Rate (wo relevant)
  • Attributed Conversions (Multi-Touch)
  • Cost per Acquisition
  • ROAS / ROI
  • Incrementality Score (aus Tests)

Reporting-Frequenz: Daily Dashboards, wöchentliche Analyse, monatliche Deep Dives

 

Layer 4: Creative Performance

  • Performance nach Creative Variant (CTR, Engagement, Conversion)
  • Creative Fatigue Monitoring (Performance-Degradation über Zeit)
  • Brand Asset Consistency Scores
  • A/B-Test Results mit Statistical Significance

Reporting-Frequenz: Wöchentlich, mit Ad-hoc-Checks bei Underperformance

 

Layer 5: Attribution & Causality

  • Multi-Touch-Attribution Models (First-Touch, Last-Touch, Linear, Time-Decay, Custom)
  • Marketing Mix Modeling Results (quartalsweise Updates)
  • Incrementality Test Results
  • Customer Journey Analysis (typische Pfade durch den Funnel)

Reporting-Frequenz: Quartalsweise Full-Analysen, monatliche Updates zu laufenden Tests

 

Die Zukunft von Full-Funnel: Was sich ändert

Full-Funnel-Marketing ist kein statisches Konzept. Drei Entwicklungen werden die nächsten Jahre prägen:

1. Post-Cookie Attribution und Privacy-First Measurement
Third-Party-Cookies verschwinden. IDFA ist opt-in. Die klassischen Tracking-Mechanismen erodieren. Das bedeutet:
Shift zu First-Party-Data und Server-Side-Tracking. Wer keine eigene Dateninfrastruktur aufbaut, wird blind. CRM, CDP, Server-Side-Tagging werden Standard.
Modeled Attribution statt deterministischem Tracking. Google, Meta, alle Plattformen gehen zu probabilistischen Modellen über. Das bedeutet: Weniger Granularität, mehr Interpretation. Umso wichtiger werden Inkrementalitäts-Tests als Ground Truth.
Contextual Targeting kommt zurück. Wenn Behavioral Targeting schwieriger wird, gewinnt Context an Bedeutung. Wo erreiche ich meine Zielgruppe, nicht basierend auf Tracking, sondern auf Umfeld und Intent?

 

2. AI-Driven Creative und Dynamic Funnel Optimization
Creative Production skaliert durch AI exponentiell. Das ändert die Full-Funnel-Logik:
Hyper-Personalisierung über alle Funnel-Stufen. Nicht mehr ,,drei Motive für Upper Funnel” sondern Hunderte Varianten, dynamisch ausgespielt basierend auf Audience, Context, Funnel-Stage.
Predictive Funnel Management. AI-Modelle, die vorhersagen, wer wann in welche Funnel-Stufe wandern wird und Budgets entsprechend allokieren. Nicht mehr reaktiv optimieren, sondern proaktiv steuern.
Creative-Performance-Feedback-Loops in Echtzeit. Welches Motiv funktioniert bei welcher Audience in welchem Funnel-Layer, nicht nach Wochen, sondern nach Stunden.

 

3. Retail Media als Full-Funnel-Channel
Amazon, Zalando, Rewe, MediaMarkt, alle großen Retailer bauen Werbeplattformen. Das ist mehr als nur ,,ein weiterer Performance-Channel”.
Closed-Loop-Attribution vom Impression bis zum Kassenbon. Retail Media Platforms kennen nicht nur den Klick, sondern auch den tatsächlichen Kauf, online und offline.
Full-Funnel innerhalb eines Ecosystems. Sponsored Products (Lower Funnel), Sponsored Brands (Mid Funnel), Display/Video Ads (Upper Funnel), alles in einem System mit perfekter Messbarkeit.
Der Shift von ,,Awareness auf Google, Conversion auf Amazon” zu ,,gesamter Funnel auf Amazon”. Das verändert die Rolle der Brand-Owned-Channels fundamental.

 

Fazit: Full-Funnel ist keine Taktik, sondern eine Betriebssystem-Entscheidung

Die meisten Unternehmen scheitern nicht an einzelnen Kampagnen, sondern an fehlender Systemarchitektur. Sie optimieren Kanäle, aber nicht das System. Sie messen Aktivitäten, aber nicht Wirkung. Sie haben Daten, aber keine Steuerungslogik.
Full-Funnel funktioniert, wenn drei Dinge gegeben sind:

  1. Strategische Klarheit: Was ist das Ziel? Marktanteil aufbauen? Profitabel skalieren? In neue Segmente expandieren? Die Funnel-Architektur muss zur Business-Strategie passen.
  2. Operative Exzellenz: Die Kanäle müssen funktional zugeordnet sein. Die Creatives müssen zur Funnel-Stufe passen. Die Budgets müssen flexibel steuerbar sein.
  3. Measurement-Infrastruktur: Ohne saubere Attribution, ohne Inkrementalitäts-Tests, ohne integrierte Dashboards ist jede Full-Funnel-Strategie Glücksspiel.

Bei Media Plan bauen wir diese Systeme, nicht als theoretisches Konstrukt, sondern als funktionierendes Operating Model. Von der Strategie über die Kampagnen bis zur Messung und Optimierung.

Wenn Sie wissen wollen, wie ein Full-Funnel-System für Ihr Unternehmen aussehen könnte: Lassen Sie uns reden.